Abschiedssphären-Testraum –Ein angewandtes Designforschungsexperiment zur Atmosphärenherstellung in Aufbahrungsräumen
Teilprojekt Dissertation
Andrea Jäggi, Doktorandin
Trends & Identity
Der Abschiedssphären-Testraum ist ein Teilprojekt der Dissertation von Andrea Jäggi (PhD Trends & Identity) und untersucht, wie Licht und Sargposition als atmosphärische Generatoren die Wahrnehmung von Tod und Trauer in Aufbahrungsräumen beeinflussen. Durch experimentelle Raumsettings werden gestalterische, sinnlich-leibliche und affektive Dimensionen erforscht, um Designwissen in die Praxis zurückzuführen und adäquate Abschiedssphären zu entwickeln.
Das Projekt Abschiedssphären-Testraum ist angewandter Teil der laufenden Dissertation von Andrea Jäggi (Abschiedssphären, Fachrichtung Trends&Identity). Innerhalb des PhD-Forschungsvorhabens wird untersucht, wie die Gestaltung von Aufbahrungsräumen und deren Atmosphäre (Böhme, 1995) die Wahrnehmung und das Erleben von Tod und Trauer beeinflusst. Dabei wird ein transdisziplinärer Ansatz verfolgt, der kulturwissenschaftliche und designforschende Methoden mit künstlerischer Praxis (Experiment) und beruflicher Erfahrung der Antragstellerin (Bestatterin) verbindet. Innerhalb der angewandten Forschung wird mit Gestaltungsmassnahmen aus den Bereichen Architektur, Interieur, Beleuchtung, Klang- und Farbgestaltung sowie Thanatologie im Feld ([Aufbahrungs-]Raum) mit Angehörigen auf ihre affektive Wirkung experimentiert. Ziel ist die Rückführung des Designwissens in die Praxis, wo die Produktion von adäquaten Abschiedssphären dazu beitragen kann, Trauernde in ihrer Trauerbewältigung zu unterstützen.
Im Mittelpunkt des Projekts Abschiedssphären-Testraum steht die konkrete Untersuchung zweier wichtiger atmosphärischen Generatoren (vgl. Caneppa & Condia, 2022, S.36)
Licht und Leiche bzw. Sarg. Dabei wird gefragt, wie sich 1.) unterschiedliche Lichtsituationen und 2.) unterschiedliche Sargpositionen innerhalb Aufbahrungsräumen auf das atmosphärische Raumerleben bezüglich dem Abschiedsmoment auswirken. Für die Untersuchung von Abschiedssphären ist es unabdingbar, dass sich Rezipienten
körperlich innerhalb dieser aufhalten (vgl. Böhme, 2013, S. 15). Die gebauten Settings werden von den Mitgliedern der Testgruppe einzeln begangen. Vor dem Betreten
werden die Proband:innen aufgefordert, den Fokus auf ihr atmosphärisches Gesamterleben legen. Die Probandinnen und Probanden betreten den Raum einzeln. Nach dem Eintreten wird die Tür geschlossen. Sie können frei entscheiden, wie lange sie sich im Raum aufhalten möchten. Nach der Begehung werden Fragen wie: Wie fühle ich mich?, Wie fühlt sich der Raum an?, Was ist eventuell störend? Was vermisse ich?, et cetera, innerhalb eines Surveys abgefragt. Wichtig ist der anschliessende mündliche Austausch in der Gruppe, während der gemeinsamen Wiederbegehung der Settings, die mittels Tonaufnahmen von der Antragstellerin dokumentiert wird. Es hat sich gezeigt, dass die mündliche Erzählung des atmosphärischen Erlebens (hermeneutische Atmografie) eine gute Form der Dokumentation ist (vgl. Mutzbauer, 2021, S.240). Es zeigte sich bereits bei den Testläufen, dass dieses Vorgehen wichtige Aussagen bezüglich eines gemeinsamen atmosphärischen Erlebens hervorbringen kann, die dann als Strategien oder Empfehlungen in die Gestaltungspraxis zurückfliessen können. Die Audioaufnahmen werden transkribiert und nach Grounded Theory selektiv kodiert bzw. analysiert.


